„Lost in transition?“ – weitere Infos zum Migrationsprozess

 

#Mitgliederkommunikation: Ergänzend zum Newsletter „IVW-Praxis“ 2021/9 informieren wir in diesem Beitrag nochmals fokussiert über die wesentlichen Punkte die IVW-seitig bei der Migration auf das neue datenschutzkonforme Messsystem beachtet werden müssen, wie der Leistungswert „Visit“ berechnet wird sowie über jüngste Entwicklungen. 

Gleich vorweg: Etwaige Probleme in der Messlösung für Android-Apps sind mittlerweile gefixed und auch die Erreichbarkeit des Service Centers, welche kurzzeitig nicht gegeben war, ist wieder hergestellt. Wir bitten die Unannehmlichkeiten, die dadurch entstanden sind zu entschuldigen. Aber nun zu den Infos …

IVW-Verwaltungsratsbeschlüsse zur datenschutzkonformen Messung

Die geplante Migration auf das erste neue datenschutzkonforme Messverfahren (IOMa) ist im Mai 2021 durch die Entwicklungen beim TTDSG gestoppt worden, welches jedwede Speicherung von Informationen auf der Endeinrichtung des Nutzers ohne dessen Zustimmung untersagt. Eine temporäre Speicherung beim Nutzer ist für den IVW-Leistungswert Visit erforderlich. Das TTDSG ist am 01.12.2021 in Kraft getreten.

Aufgrund dieser Entwicklungen erarbeitete die INFOnline, der Messdienstleister der IVW-Mitglieder, seit Sommer eine neue Messlösung mit einem Measurement Manager und einer Mess-Kaskade, bei der der Einwilligungsstatus des Nutzers darüber entscheidet, welches Messsystem datenschutzkonform zum Einsatz kommt. Hierzu wurde zusätzlich ein Basis-Messsystem entwickelt, welches vollkommen einwilligungsfrei den Leistungswert Page Impression (Kontakt) ermitteln kann – also den IVW-Zensus und Außenvorgaben für weitere Markt-Media-Studien liefert.

Parallel zu dieser Entwicklung bildete sich aus dem IVW OA-Online Medien eine Taskforce, die flankierend die Herausforderungen bei der neuen Messung diskutiert und vor allem eine Lösung für die Fortführung des Leistungswerts Visits entwickelt. Hier stand in der Diskussion, dass die INFOnline auf Basis der Zensusmessung unter Zuhilfenahme des unter Consent ermittelten PI-Visit-Verhältnisses einen Zensus-Visit berechnet. Ein Paradigmenwechsel bei der IVW: neben Meldung und Messung wird hier nun erstmals auch eine Berechnung eingesetzt. Entsprechend anspruchsvoll sind auch die Diskussionen zu diesem Berechnungsmodell, die derzeit noch andauern.

Die Migration auf den Measurement Manager der INFOnline ist zum 04.10.2021 gestartet. Die IVW hat einen Migrationsplan erstellt und führt derzeit die Migrationsprüfungen durch. Zum Dezember 2021 wurden die ersten knapp 90 Angebote aus dem neuen Messsystem ausgewiesen. Aufgrund des datenschutzrechtlichen Drucks geht die IVW davon aus, dass die Migration Ende Q1-2022 als abgeschlossen gilt und ab diesem Zeitpunkt wieder alle auditierten Angebote aus einem einheitlichen System ausweisen.

Doch wie wird nun zukünftig der Leistungswert „Visit“ ermittelt?
 

Fortführung der IVW-Audits von Internetwerbeträgen mit neuem datenschutzkonformen Messverfahren
und Berechnung des Leistungswerts „Visit“

Am 4. November 2021 hat der IVW-Verwaltungsrat eine Reihe von Änderungen an den Regelwerken für die IVW-Prüfung digitaler Werbeträger im stationären und mobilen Internet verabschiedet.
Quelle: IVW
Diese Änderungen führten bereits im Dezember mit der Veröffentlichung der für November erhobenen Nutzungskennzahlen zu einer Reihe von Anpassungen im Datenangebot der IVW-Ausweisung.
 
So werden ab Dezember auf Dauer keine Kategorien-Visits mehr ausgewiesen. Außerdem wird – zunächst vorläufig – keine Differenzierung der Nutzungsdaten nach Zugriffen aus In- und Ausland mehr in der Ausweisung gezeigt.

Neuerung in der Erhebung der Nutzungsdaten
 

Durch den notwendig gewordenen Einsatz eines neuen Messsystems wird die Erhebungsmethode zur Ermittlung der Gesamtnutzung eines Angebots um eine Komponente ergänzt:

  • Die PageImpressions können weiterhin einwilligungsfrei vollständig gemessen werden.
  • Die Visits werden hingegen nur mit Einwilligung der Nutzer nach der bisherigen Methode gemessen.
  • Für die weitere IVW-Ausweisung der Gesamtnutzung der Digital-Angebote nach beiden Leistungskennziffern werden zu den gemessenen Visits zusätzlich durch eine Berechnung weitere Visits ermittelt.
  • Hierfür wird die INFOnline auf Basis der vollständig erhobenen PageImpressions aus der Zensusmessung in Relation zu dem mit Einwilligung erhobenen PI-Visit-Verhältnis zusätzliche Visits aus der Zensusmessung errechnen.

Die erforderlichen Richtlinien-Anpassungen für eine solche Berechnung wurden bereits am 02.09.2021 durch den Organisationsausschuss Online-Medien konsensual getroffen. Die Delegierten schlugen dem Verwaltungsrat folgende Anpassungen vor, die sich auch so seit 01.12.2021 im Richtlinientext (Anlage 1) wiederfindet:

„1) Die Metrik „Visit“ bezeichnet einen zusammenhängenden Nutzungsvorgang. Ein Visit beginnt, wenn ein Nutzer innerhalb eines Angebots eine PageImpression erzeugt. Jede weitere PageImpression, die der Nutzer im Folgenden innerhalb des Angebots erzeugt, wird diesem Visit zugeordnet.

Der Visit wird als beendet angesehen, wenn länger als 30 Minuten keine PageImpression durch den Nutzer erzeugt worden ist. Wechselt der Nutzer auf ein neues Angebot und kehrt innerhalb von 30 Minuten auf das alte Angebot zurück, so wird kein neuer Visit gezählt. Wechselt der Nutzer auf ein neues Angebot und kehrt nach Ablauf einer Frist von 30 Minuten auf das alte Angebot zurück, so wird ein neuer Visit gezählt.

Ein Visit wird auf Basis einer Session ermittelt. Bei jeder PageImpression wird geprüft, ob diese einem Visit zugeordnet werden kann. Wenn dies nicht der Fall oder der Visit abgelaufen ist (letzte Page-Impression älter als 30 Minuten), so wird ein neuer Visit gezählt.

2) Soweit eine erforderliche Zustimmung der Nutzer zur Nutzungsmessung vorliegt, wird die Metrik „Visit“ entsprechend dem Verfahren in Absatz 1 ermittelt.

3) Für die IVW-Ausweisung kann die Gesamtanzahl der „Visits“ eines Angebots rechnerisch durch die Kombination technisch-methodischer Verfahren ermittelt werden, für die die Informationen aus der Nutzungsmessung gemäß Absatz 1 und Absatz 2 maßgeblich sind.“

Die Beratungen über die detaillierte Ausgestaltung des Berechnungsmodells dauern aber derzeit noch an.

Wem das nun alles zu viel Text war – das ganze gibt es auch audiovisuell und ist hier nachzuhören und -sehen:
 

BDZV-Webinar: Was Verlage jetzt wissen und umsetzen müssen

Am 11.11.2021 fand ein Webmeeting zur Migration vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) statt, das viele Fragen beantworten konnte. Hier kommen Sie zur Video-Aufzeichnung und zur Präsentation.


Kostenneutrale Umstellung bis Q1-2022

Was außerdem zu beachten ist:
 
  • Die Migrationsprüfungen durch die IVW sind für die Anbieter kostenneutral – Servicegebühren werden erst erhoben, falls eine 3. Nachprüfung erforderlich ist.
  • Die IVW führt die Migrationsprüfungen schnellstmöglich durch. Spätestens nach dem 30. März 2022 sollen die Nutzungsdaten sämtlicher Angebote mit ein und demselben Messsystem ermittelt werden.
  • In der IVW-Ausweisung wird kein Migrationsstatus zu einzelnen Angeboten angegeben, d.h. die Nutzungsdaten aus verschiedenen Messverfahren werden unterschiedslos ausgewiesen. Ein neuer „Allgemeiner Hinweis“ klärt die Nutzer der Ausweisung über die vorübergehend eingeschränkte Vergleichbarkeit auf.
  • Die Gesamtzahl der Visits wird mit dem IOM anders als mit dem SZMng erhoben. Im Detail werden die gemessenen Visits aus IOMp durch die in Verhältnis zu den Messkomponenten „Zensus“/“pseudonym“ gemessenen PageImpressions berechnet.
  • Die datenschutzkonforme Einrichtung von Websites und Apps zur Messung ihrer technischen Reichweite nach den ab 1. Dezember 2021 gültigen Bestimmungen des TTDSG liegt allein in der Verantwortung der Anbieter. Fehlende Datenschutzkonformität wird von der IVW während der Migrationsphase nicht angemahnt.

Fragen zur Implementierung des INFOnline Measurement Managers und seiner Messkomponente „Zensus“ und „pseudonym“ oder allgemeine Fragen zum Ablauf beantworten Ihnen der INFOnline Customer Service und das ServiceCenter IVW digital.

 

Fazit: Alles sehr komplex aber machbar!

Lesen Sie zur Motivation das erste Feedback auf das BDZV-Webinar:

Das Webinar hat mir einen guten Überblick gegeben und besonders relevant war für mich die Umstellung in der CMP.
Ich fand die Veranstaltung sehr informativ und gut strukturiert. Wir sind zum Glück gut aufgestellt und haben die datenschutzrechtlichen Themen stets ernst genommen.
Das Webinar hat definitiv geholfen, die Situation und die Umsetzung besser einordnen zu können.
Das Webinar war sehr aufschlussreich!
Das Seminar, insbesondere die Diskussionsrunde im Anschluss, war sehr erhellend und hat uns dabei geholfen, das Thema nochmal besser einzuordnen.
Das Webinar war echt sehr wichtig und hilfreich, um die nächsten Steps planen zu können. Vielen herzlichen Dank!

Bei Fragen melden Sie sich bitte über das ServiceCenter IVW digital oder Social Media.

Hier finden Sie vorige Hinweise zur Migration, zum Leistungswert „Visit“ und zur Transparenz in der IVW-Ausweisung. Außerdem haben wir hier bereits zusammengefasst, wie wichtig die Migration zum neuen Messverfahren für die weitere Teilnahme an der IVW- und agof-Erhebung und Ausweisung ist.

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